CfA „100 Jahre Bauhaus – Alternative Beiträge und Perspektiven“
Einsendung von Artikelvorschlägen bis zum 14. Februar 2018

CfA „100 Jahre Bauhaus – Alternative Beiträge und Perspektiven“ (15.6.2018)

[version5, Stand 7.12.17]

"ich begrüße es, daß an unserem bauhaus so verschieden gerichtete kräfte zusammen wirken.
ich bejahe auch den kampf dieser kräfte gegeneinander,
wenn die auswirkung in der leistung sich äußert." (paul klee)[1]

Im Jahre 2019 sind eine Flut von Publikationen und Aktivitäten zum Jubiläum der 100. Gründung des Bauhaus´ in Weimar zu erwarten. Gehört das Bauhaus doch – mittlerweile - zum national-kulturellen Kanon Deutschlands. Mit enormem Mitteleinsatz soll sichergestellt werden, dass dieses Jubiläum zu einem Ereignis von nationaler Strahlkraft avanciert, das das Bauhaus als Erfolg für die internationale Wirkungsgeschichte der Moderne würdigt – und nicht zuletzt in eine deutsche Nationalgeschichte eingemeindet. Kritische Perspektiven auf heutige gesellschaftliche Verhältnisse, auf die Geschichte des Bauhauses und des Designs der Weimarer Zeit überhaupt, drohen dabei unterzugehen.

Oskar Schlemmer schrieb bereits Ende 1921, auch im Hinblick auf die Arbeit des Bauhauses, dass in Deutschland einerseits Wandervogel und Lebensreform, Vegetarismus, Siedlung, Indienkult und „Zurück zur Natur“ anzutreffen seien, aber ebenso Amerikanismus, Fortschritt, Wunder der Technik und Erfindung, Großstadt. Beides sei am Bauhaus vertreten. Diesen Spannungsbogen gilt es heute auch wieder auszuloten. Im Geiste Schlemmers wie auch z.B. in Paul Klees Appellen an die Vielschichtigkeit und auch Gegensätzlichkeit der Institution(en) Weimars, Dessaus und Berlins will die Rosa-Luxemburg-Stiftung als Einrichtung der politischen Bildung das Jubiläum des Bauhauses mit Veranstaltungen und Publikationen begleiten. In Deutschland und ggf. mittels ihrer Auslandsbüros, weltweit. Im Zuge dessen soll auch eine Printpublikation erscheinen, die einführende und kritische wissenschaftliche Artikel in deutscher (und evtl. in englischer) Sprache erhält (und unter Umständen auch open access zugänglich ist).

Aus dieser kritischen Perspektive könnte über folgende Punkte zu debattieren sein:

Erstens, war das Bauhaus ein gestalterischer oder architektonischer Stil oder war es ein pädagogisches Prinzip und ein Erziehungskonzept, das vor allem zunächst den einzelnen Menschen (Johannes Itten) und später das kollektive Wirken im Blick hatte und/oder

war das Bauhaus zweitens eine Einrichtung die Produkte entwerfen und, in Zusammenarbeit mit der Industrie, produzieren wollte. Produkte, die sich eine breite Schicht der ArbeiterInnen und Stadtbewohner leisten konnte (so zunehmend der Tenor von Gropius und erst recht der von Hannes Meyer).

War - und ist – das Bauhaus drittens eine Institution, deren Lehre und Produktion herkömmliche Arten des Designs in Frage stellte und neue Herausforderungen darstellte und wie weit verwandelte sich diese Rolle in die einer heute touristisch verwertbaren „Marke“ und in einen eingemeindeten Teil der Nationalgeschichte und/oder ist es – immer noch – eine avantgardistische Hochschule für Gestaltung, die mit ihrer Reformlehre, ihren Ideen, Idealen und Produkten vielfältigste Wirkungen - bis heute – zeitigt. Eine Institution also, unter deren Dächern Professoren und StudentInnen vielerlei Strömungen der Kunst, des Designs und der Architektur vertraten und bestritten, und deren politische Bedeutungen bis heute fortdauern.

und an deren Ideen und Kritiken es viertens wieder anzuknüpfen gilt? Also: Woraus besteht ein „lebendiges“ Design, oder wie Hannes Meyer sagte, ein Design das mit dem Leben verbunden ist? Welche künstlerische, Design-orientierte, technische Herausforderung besteht heute für das Design und die Architektur, sowie für die Ausbildung in diesen „Fächern“?

Zuletzt: Soll/wird fünftens ein bestimmtes Bild des Bauhaus vermittelt werden oder lassen (hegemoniale und) antihegemoniale Sichtweisen eine Multiperspektivität auf „das bauhaus“ und seine Wirkungsgeschichte zu oder sollte diese aus kritischer Perspektive sogar propagiert werden?

War die globale Verbreitung des Bauhausgedankens und der Bauhäusler sechstens ein vielschichtiger, teils auch antagonistischer, Prozess der in verschiedenen Weltregionen differenziert wirkte, und/oder gab es dominante Kanäle der Verbreitung die, gerade in der Zeit des Kalten Krieges, eine `offizielle` Version des Bauhaus´ und der Bauhausgeschichte produzierten?

Zusammengefasst besteht eine Kernfrage für unser Vorhaben darin, auf welcher Basis „hegemoniale“ und „anti-hegemoniale“ Sichtweisen (damals und) heute operieren. Zum einen sind dies ökonomische und (national-)politische Interessen, zum anderen aber auch Machtstrukturen, die auf Exklusion, Geschlechtsunterschieden und Ansprüchen auf „Professionalität“ und Institutionalität beruhen.

Ziel

Die Literatur zum Bauhaus ist unübersehbar und auch einige Mythen des Bauhaus und der Bauhausgeschichtsschreibung wurden in den letzten Jahren kritisch untersucht[2]. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass das Bauhaus in der heutigen politischen und kulturellen Linken vermutlich relativ unbekannt ist.

Unser Ziel ist eine Print-Publikation, die im Rahmen der politischen Bildung ihren Platz findet, die aber auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Im Fokus der Veröffentlichung sollen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit - v.a. Beiträge zu folgenden drei Themenbereichen stehen

  • Geschichte und Bedeutung des Bauhauses in seiner Zeit, sowie Vorgeschichte und Vorläufer
  • Rezeptions- und Wirkungsgeschichte
  • Bedeutung des Bauhaus´ für eine moderne (Mosaik)-Linke heute.

Wir wünschen uns Beiträge aus allen in Frage kommenden Disziplinen: Geschichtswissenschaft, Architektur, Geschlechterforschung, Politik- und Sozialwissenschaft, Kunstwissenschaft und –geschichte, etc.

Beiträge von jungen AutorInnen sowie von AutorInnen des Auslandes sind ausdrücklich erwünscht. Auch andere, hier nicht angedeutete Themen und kritische Zugänge sind möglich und erwünscht.

Beiträge können in deutscher und englischer Sprache eingereicht werden.

Formales

Wir bitten um Einsendung von Artikelvorschlägen (max. 500 Wörter) und eines kurzen CV und einer Angabe der voraussichtlichen Länge des geplanten Artikels (mindestens 15.000 höchstens jedoch 40.000 Zeichen) bis spätestens 15. Februar 2018. Eine symbolische Honorierung der Beiträge ist nach Absprache für AutorInnen ohne festes Einkommen möglich. Die eingereichten bzw. angenommenen Beiträge müssen – soweit nicht anders vereinbart – bis zum 15. Juni 2018 vorliegen.

Kontakt:

Bernd Hüttner, Bremen
Referent für Zeitgeschichte und Geschichtspolitik der Rosa-Luxemburg-Stiftung
Mail: bernd.huettner@rosalux.org

Georg Leidenberger, Mexiko-City
Profesor-Investigador; Universidad Autónoma Metropolitana Iztapalapa, Mexiko Stadt
Mail: georg.leidenberger@gmail.com
 

[2] Vgl. als Überblick Bernd Hüttner: 2019: 100 Jahre bauhaus. Literaturübersicht zur Geschichte dieser avantgardistischen Hochschule für Gestaltung, Version 3 [30.7 2017; http://www.rosalux.de/news/42014/] sowie Christina Biundo, Andreas Haus (Hrsg.): Bauhaus-Ideen 1919 – 1994. Bibliografie und Beiträge zur Rezeption des Bauhausgedankens, Berlin 1994. Zu den Mythen u.a.: Anja Baumhoff und Magdalena Droste (Hrsg): Mythos Bauhaus, Berlin 2009.

8. Dezember 2017