Design mit Geschichte. Geschichtsbilder in Praxis und Theorie

Tagungsort: Vitra Design Museum - Weil am Rhein

Die Tagung „Design mit Geschichte: Geschichtsbilder in Praxis und Theorie“ möchte den Dialog zwischen Designpraxis, Designgeschichte und Designtheorie über das Geschichtsbild im Design fördern. Wir möchten erkunden, wie die Designpraxis das Bild der Designgeschichte geprägt hat und welche Perspektiven sich aktuell im praktischen und theoretischen Umgang mit der Geschichte eröffnen (Call for Papers).

Die Tagung „Design mit Geschichte: Geschichtsbilder in Praxis und Theorie“ thematisiert den Umgang mit Geschichte im Design. Sie signalisiert ein erhöhtes Geschichtsbewusstsein in der aktuellen Designpraxis und den Designwissenschaften und befragt aktuelle wie historische Positionen auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten ihres Geschichtsverständnisses.

In den 1980er Jahren schienen die Fronten zwischen Moderne und Postmoderne und deren Verhältnis zur Geschichte noch klar erkennbar zu sein. Damals verteidigte Jürgen Habermas die Weiterarbeit an der Moderne gegen die Zeitströmungen eines konservativen Antimodernismus („Die Moderne – ein unvollendetes Projekt“, 1980). Habermas rechtfertigte die tendenzielle Geschichtslosigkeit der Moderne damit, dass sie „gegen die falsche Normativität eines aus der Nachahmung von Vorbildern geschöpften Geschichtsverständnisses“ gerichtet sei. Das postmoderne Design der 1980er, mit seinen assoziativen Bezügen zur Vergangenheit, formulierte demgegenüber eine dritte Position, die sich den Paradigmen der normativen Geschichte wie der Geschichtslosigkeit verweigerte.

Heute scheint es wiederum eine Rückwendung zur Geschichte zu geben. Die neue Qualität dieses Geschichtsbezuges soll während der Tagung im Vergleich mit früheren Positionen thematisiert werden. Vermutlich beruht der Geschichtsbezug aktueller Gestaltungen und Designtheorien auf einem gewandelten Geschichtsverständnis, das Fortschritt und folgerichtigen Entwicklungen eine Absage erteilt. Das, was jeweils als Vergangenheit gilt, wird neu ausgehandelt. Dabei wird in der Vergangenheit nach unausgeschöpften Potenzialen gesucht. Andererseits werden die Ambivalenzen und negativen Begleiterscheinungen historischer Epochen in Augenschein genommen. Im Design wird zum Beispiel die Moderne wieder aufgerufen, nicht mehr nur als Paradigma (Design-Klassiker, „Weniger ist mehr“) oder Inspirationsquelle für die Praxis, sondern als Motiv einer spekulativen Selbstbestimmung über vielschichtige Vergangenheiten.

 

Call for Papers [abgeschlossen]

Die Beiträge sollten sich auf eines der folgenden Themen konzentrieren:

1. Designgeschichte in der Designpraxis: Auf welche Weise hat Design die Vergangenheiten gestalterischer Praktiken einbezogen? Welche Epochen, Theoreme und Motive tauchten immer wieder auf und wie hat sich ihre Bewertung verändert?

2. Geschichtsmodelle in den Designwissenschaften: Was versteht und verstand man im Design unter Vergangenheit und was beeinflusst dieses Verständnis? Wie wirkten bestimmte Zeitumstände auf das Geschichtsinteresse im Design? Was bedeutet Vergangenheit in einer globalisierten Designindustrie?

3. Reproduktion und Designgeschichte: Welches Geschichtsverständnis charakterisiert Sammlungen, Ausstellungen, Re-Editionen und die Mediatisierung von Design? Welchem Wandel ist dieser Umgang mit Geschichte unterworfen?

Die Beteiligung erfolgt in Form von Vorträgen sowie Arbeitsberichten aus der Praxis von ca. 30. Minuten. Bitte senden Sie ein Abstract mit max. 1700 Zeichen und eine Kurzbiografie bis zum 2. Februar 2015 an: info@gfdg.org

Organisation: Jochen Eisenbrand ( Vitra Design Museum); Siegfried Gronert, Wolfgang Schepers, Esther Cleven (Gesellschaft für Designgeschichte / GfDg)

Die Gesellschaft für Designgeschichte e. V. wurde 2008 gegründet. Der Zweck des Vereins ist es, die Geschichte des Designs als geisteswissenschaftliches Fach an Universitäten und Hochschulen zu stärken, in Zusammenarbeit mit Museen an der Darstellung designgeschichtlicher Zusammenhänge mitzuwirken, als eigene Disziplin zu fördern, zu konzentrieren und zu vernetzen und die öffentliche Auseinandersetzung mit

Designgeschichte in den Medien zu steigern. Darüber hinaus sieht die Gesellschaft für Designgeschichte ihre Aufgabe darin, Forschungsschwerpunkte und Methoden der Designgeschichtsschreibung zu artikulieren und zu vermitteln. Der Verein will Praxis und historische Forschung vernetzen.

Das Vitra Design Museum zählt zu den führenden Designmuseen weltweit. Es erforscht und vermittelt die Geschichte und Gegenwart des Designs und setzt diese in Beziehung zu Architektur, Kunst und Alltagskultur. Im Hauptgebäude von Frank Gehry präsentiert das Museum jährlich zwei große Wechselausstellungen. Viele Ausstellungen entstehen in Zusammenarbeit mit bekannten Designern und befassen sich mit zeitgenössischen Themen wie Zukunftstechnologien, Nachhaltigkeit, Mobilität oder sozialer Verantwortung. Andere richten ihren Fokus auf historische Themen oder zeigen das Gesamtwerk bedeutender Gestaltungspersönlichkeiten.

Grundlage der Arbeit des Vitra Design Museums ist eine Sammlung, die neben Schlüsselstücken der Designgeschichte auch mehrere bedeutende Nachlässe umfasst (u.a. von Charles & Ray EamesGeorge NelsonVerner Panton und Alexander Girard). Die Ausstellungen des Museums sind als Wanderausstellungen konzipiert und werden weltweit gezeigt. Auf dem Vitra Campus werden sie um ein vielfältiges Begleitprogramm aus Events, Führungen und Workshops ergänzt.