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Design im doppelten Deutschland.
GfDg-Jahrestagung in Hannover

Am 13. und 14. März veranstaltete die GfDg (Gesellschaft für Designgeschichte) ihre Jahrestagung im Museum August Kestner (MAK) Hannover zum Thema Deutsche Dinge. Design im doppelten Deutschland von 1949 bis 1989. Als Festredner war Wolfgang Thierse, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, geladen. Er referierte über 20 Jahre deutsche Einheit aus kulturpolitischer Sicht und die Rolle des Designs in der ehemaligen DDR. Zudem beteiligte er sich engagiert an einer Podiumsdiskussion mit den Designern Herbert Lindinger und Clauss Dietel.

Als Dinggewordene, materialisiere Kultur manifestieren Designobjekte immer auch gesellschaftspolitische Vorstellungen. Entsprechend wurde und wird Design eingesetzt, um politische Ideologien zu visualisieren und zu unterstützen. Wie stark im Kampf der großen politischen Systeme mit Design argumentiert wurde, verdeutlichte David Crowley (Royal College of Art), Mitkurator der Londoner Ausstellung Cold War Modern. Er zeigte eindringlich, dass der Zugang zu und die Qualität von Konsumgütern gerade im Kalten Krieg als Indikator mit geradezu seismografischer Qualität für die Richtigkeit des jeweiligen politischen Systems eingesetzt wurde, jedoch die Methode mittels Design zu argumentieren, als Gemeinsamkeit zu begreifen ist.

Im Zentrum der GfDg-Jahrestagung stand die Vorstellung des doppelten Deutschlands - zweier Staaten, die, eingebunden ganz unterschiedliche ideologische und wirtschaftlich Systeme, eine jeweils eigenständige Entwicklung durchlaufen, sich jedoch aller Gegensätze zum Trotz im Gestaltungsbereich eng verbunden bleiben. Entsprechend standen die gemeinsamen Gestaltungstraditionen in Ost und West sowie grenzüberschreitende Verbindungen zwischen den Gestaltern im Zentrum des Interesses.

Am Beispiel einer Ausstellung des Weimarer Instituts für Innengestaltung, die 1957 im Darmstädter INTEF (Institut für neue technische Form) gezeigt wurde, verdeutlichte Siegfried Gronert (Bauhaus-Universität Weimar) Gemeinsamkeiten der beiden Schwestern-Institutionen in Ost und West, vor allem bezogen auf ästhetische und erzieherische Überzeugungen der Guten Form, wie sie sich aus der Tradition des Deutschen Werkbundes herleiten. Das Beispiel eines scheinbar so unbedeutenden Ziergegenstandes wie einer Vase nutzte Anne Feuchter-Schawelka (Weimar) dagegen dazu, die unterschiedlichen designtheoretischen Diskussionen der fünfziger Jahre und Konsequenzen für die Formgestaltung darzulegen.

Gleich zwei Vorträge beschäftigten sich mit Interdependenzen im Produktdesign, insbesondere von Radiogeräten und der Frage, wie stark avantgardistische Entwicklungen aus dem Umfeld der Ulmer HfG und der Kronberger Braun AG stilbildend auf das Design in der DDR gewirkt haben. Volker Fischer (Museum für Kunsthandwerk Frankfurt a. M.) verglich formalästhetische Details und stellte auch noch nach dem Mauerbau 1961 enge Formkorrespondenzen fest. Ähnlich vermerkte Günter Höhne (Berlin), bis 1961 habe es, insbesondere zwischen der Hochschule in Berlin-Weißensee und dem Westen der Stadt, einen regen Austausch gegeben. Danach hätten Designzeitschriften wie die form und das Vorbild Braun Anregungen gegeben. Allerdings habe man sich davon gelöst, indem die funktionalistische Formensprache weiterentwickelt und designtheoretische Ansätze erarbeitet worden seien, die auch im Westen - insbesondere über die Zeitschrift form und zweck - rezipiert worden seien. Ähnlich argumentierten auch die beiden Designer Herbert Lindinger und Clauss Dietel bei der abendlichen Diskussionsveranstaltung, die ebenso wie der Festvortrag von Wolfgang Thierse in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung organisiert worden war. Obwohl als Designer in das jeweils andere System eingebunden, fand der Austausch in erster Linie über die von ihnen geschaffenen Designobjekte statt, deren Qualitäten der jeweils andere kennen gelernt und geschätzt habe. Die Podiumsdiskussion und zahlreiche Diskussionsbeiträge machten aber auch eine weitere Gemeinsamkeit deutlich, die Ost und West verband: Dass Gutes Design - trotz der zumeist hohen Preise in Ost wie in West - im privaten Bereich als Distinktionsmerkmal eingesetzt wurde, um sich als einer bestimmten Gruppe zugehörig zu zeigen. (GfDg)




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